EDITORIALS
Ein Feuerwerk an Informationen aus erster Hand
Das 9. Wirtschaftsforum NEU DENKEN ist mit Standing Ovations zu Ende gegangen. Sie galten einem ganz besonderen Gespräch mit Ex-Bundespräsident Joachim Gauck: geistreich, tiefgründig, klug und humorvoll.
Die drei Tage im Castillo Hotel Son Vida, hoch über der Balearen-Hauptstadt Palma, mit rund 250 Teilnehmern und mehr als 40 Rednern, waren ein Feuerwerk an Informationen aus erster Hand, sie waren Inspiration und Austausch.
Hier trafen sich wieder einmal Menschen, die vorangehen, anpacken und des Jammerns müde sind. Was konnten wir alle daraus lernen? Man kann aus Steinen, die den Weg versperren, auch einen Pfad bauen, der in die Zukunft führt.
Die geopolitischen und geoökonomischen Panels der Münchner Sicherheitskonferenz wurden erneut in besonderer Weise honoriert durch ihre offenen Einblicke in unsere derzeitigen Polykrisen: Energie, Ukraine, Iran, Verteidigung, China oder Trump.
Insider und Entscheider wie der ukrainische Vizepremier, Vorstandsvorsitzende von ADNOC, RWE und Airbus Defence and Space oder der oberste US-Nato-General a. D. in Europa – sie alle sprachen Klartext.
CEOs aus traditionsreichen Unternehmen beschrieben die nicht immer einfache Transformation, erfolgreiche Startups aus Deutschland zeigten, dass „Made in Germany“ noch lange kein Auslaufmodell ist.
Die humanoiden Roboter von NEURA Robotics aus Baden-Württemberg hätte sich der Kanzler bei uns ebenfalls ansehen können – und nicht nur „Made in China“ vorführen lassen.
Es gab Satelliten und Weltraum-Spitzentechnik von OHB aus Bremen, Informationen aus erster Hand zum kommenden autonomen Fahren 2027 in Europa von den Entwicklern bei Mercedes, Klartext vom Wirtschaftsweisen Gabriel Felbermayr über Wege aus der deutschen Wirtschaftsmisere sowie Einblicke von Wirtschaftsgrößen wie Paul M. Achleitner, Autor des Sachbuch-Bestsellers „Erfahrung beschleunigen!“, und Ann-Kristin Achleitner aus dem Investitionsund Innovationsbeirat des Bundesfinanzministeriums.
Schillernde Namen wie der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz oder der frühere Fußball-Nationalspieler Marko Rehmer ließen hinter die Kulissen blicken.
Wir haben allen Teilnehmern herzlich zu danken! Sie begleiten uns auf dem Weg, die Akrasie zu bekämpfen. Dieser Begriff steht für das uralte menschliche Phänomen, genau zu wissen, was vernünftig wäre, aber anders zu handeln.
Wir alle hoffen, dass dieser Widerspruch zwischen Einsicht und Umsetzung nicht mehr lange politisch wichtige Rahmenbedingungen in Europa und Deutschland blockieren wird.
NEU HANDELN und NEU MACHEN – darum geht’s auf dem Weg zum Wirtschaftsforum 2027. Wir freuen uns darauf!
Raus aus dem ideologischen Nebel
Wir leben in einer Zeit, in der ein Weckruf den nächsten jagt. Geopolitische Verschiebungen, wirtschaftliche Unsicherheit, technologische Disruption, Reformstau, Vertrauensverlust in Institutionen. Die Signale sind unübersehbar.
Und doch entsteht bisweilen der Eindruck: Es wird viel geredet, viel kommentiert, viel beklagt, aber zu wenig gehandelt.
Deutschland und Europa stehen an einem Punkt, an dem Selbstvergewisserung nicht mehr reicht. In einer hochideologisierten Welt müssen wir zurück zu den Fakten. Zu Analyse statt Empörung. Zu Verantwortung statt Suche nach Sündenböcken. Zu Debatte statt Lagerdenken.
Denn wer sich im ideologischen Nebel verliert, verliert den Blick auf das, was tatsächlich zu tun ist.
Unsere Demokratie ist dünnhäutiger geworden. Das ist gefährlich. Wenn Debatten verstummen, noch bevor sie überhaupt begonnen haben, wenn Widerspruch als Zumutung gilt und Komplexität durch Parolen ersetzt wird, dann verliert eine offene Gesellschaft ihre wichtigste Stärke: die Fähigkeit, um den besseren Weg zu ringen.
Demokratie braucht Streit. Aber sie braucht einen zielführenden, produktiven Streit, den „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“, wie es Jürgen Habermas formulierte. Doch mit dem Tod des Philosophen und Soziologen im März dieses Jahres ist auch die Frage drängender geworden, wie viel von diesem Ideal der Debattenkultur – die nicht zuletzt eine ausgewogen informierte Gesellschaft voraussetzt – überhaupt noch geblieben ist.
Auch das Schimpfen auf politische Extreme ersetzt keine eigene Leistung. Wer die AfD kritisiert, muss zugleich beantworten, warum so viele Menschen Vertrauen verloren haben. Wer den Populismus zurückdrängen will, muss liefern: wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich.
Deutschland redet noch zu oft darüber, was nicht geht. Andere Teile der Welt handeln längst.
Die zentrale Frage lautet deshalb: Wird Deutschland zu einem teuren Denkmal verpasster Chancen? Oder gelingt es endlich, aus der Analyse in die Umsetzung zu kommen?
Unser Wirtschaftsforum NEU DENKEN war auch 2026 Ort genau dieser Auseinandersetzung – und soll es auch 2027 sein. Wir wollen nicht nur beschreiben, was sich verändert. Wir wollen fragen, welche Konsequenzen daraus folgen. Für Europa. Für Deutschland. Für Unternehmen. Für Unternehmerinnen und Unternehmer. Für eine Gesellschaft, die Zukunft nicht verwalten, sondern gestalten will.
Wir sind zuversichtlich. Aber Zuversicht ist kein Gefühl, sondern eine Haltung. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Argumente und Fakten ernst zu nehmen sowie neue Handlungsoptionen zu diskutieren.
Genau dafür steht NEU DENKEN